Förderungen 2024 – Lohnt sich der Aufwand wirklich?
Im Jahr 2024 gibt es zahlreiche Förderprogramme für Bauherren, die sich auf den Neubau oder den Kauf von Wohnimmobilien fokussieren. Besonders stark gefördert werden energieeffiziente Bauweisen, die über die Mindestanforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) hinausgehen. Doch bevor man sich für den Weg der Förderung entscheidet, sollte man sorgfältig abwägen, ob der Aufwand und die damit verbundenen Mehrinvestitionen wirklich sinnvoll sind.
Fördermöglichkeiten im Überblick
Die Förderprogramme 2024 zielen insbesondere darauf ab, Bauherren zu unterstützen, die energieeffizient und nachhaltig bauen oder kaufen. Hier sind die wichtigsten Programme, die zur Verfügung stehen:
1. Neubau oder Erstkauf von Wohnimmobilien im Niedrigpreissegment (Effizienzhaus 55):
o Zinssubventionierter Förderkredit von bis zu 100.000 €.
o Die Förderung setzt voraus, dass die Anforderungen an den Standard eines Effizienzhauses 55 (EH 55) eingehalten werden, was im Wesentlichen den Vorgaben des GEG entspricht. Allerdings gibt es zusätzliche technische Anforderungen der KfW, die das Bauvorhaben teurer machen können.
2. Neubau von klimafreundlichen Wohnimmobilien (Effizienzhaus 40):
o Zinssubventionierter Förderkredit von bis zu 100.000 €.
o Hier sind striktere Vorgaben in Bezug auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit einzuhalten, die deutlich höhere Baukosten verursachen können.
3. Förderungen für Familien:
o Zinssubventionierte Förderkredite bis zu 220.000 €, abhängig von der Anzahl der Kinder. Diese Förderung gilt sowohl für den Neubau als auch für den Kauf bestehender Immobilien, wenn bestimmte Effizienzstandards (EH 40 oder EH 40 QNG) eingehalten werden.
4. Förderungen für erneuerbare Energien:
o Stromerzeugung durch Photovoltaik, Wind- oder Wasserkraft wird ebenfalls gefördert. Hier können Bauherren Zuschüsse und zinsgünstige Kredite in Anspruch nehmen, um langfristig Energiekosten zu sparen.
GEG versus Förderung: Wann lohnt sich die Mehrinvestition?
Die zentrale Frage ist: Lohnt sich die Mehrinvestition in ein hocheffizientes Haus wirklich, nur um Förderungen zu erhalten? Das GEG setzt bereits hohe Standards, die den Bau eines energieeffizienten Hauses sicherstellen sollen. Aber um eine Förderung zu erhalten, müssen diese Vorgaben deutlich übertroffen werden. Dies führt oft zu zusätzlichen Kosten, die nicht immer durch die Fördermittel ausgeglichen werden.
Besonders beim Effizienzhaus 55 wird häufig der Eindruck vermittelt, dass dieses standardmäßig teurer sei als die GEG-Anforderungen. Tatsächlich ist das GEG jedoch im Wesentlichen gleichbedeutend mit den Effizienzhaus 55-Anforderungen. Die Mehrkosten entstehen oft durch zusätzliche technische Mindestanforderungen der KfW, wie zum Beispiel:
• Nachhaltigkeitsanforderungen (QNG-PLUS): Um eine Förderung zu erhalten, müssen die Vorgaben des "Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude Plus" (QNG-PLUS) erfüllt werden. Dies erfordert insbesondere die Reduktion der Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes.
• Mindestanzahl an Wohnräumen: Abhängig von der Wohnfläche wird eine bestimmte Anzahl an Wohn-/Schlaf-/Kinderzimmern gefordert. Bei einer Wohnfläche von bis zu 70 Quadratmetern sind beispielsweise mindestens drei solche Räume erforderlich. Wichtig: Küchen und Wohnküchen zählen nicht zu dieser Mindestanzahl an Wohnräumen!
• Lebenszykluskostenanalyse: Die Förderung verlangt auch den Nachweis, dass der gebäudespezifische Grenzwert für ausgewählte Kosten im Lebenszyklus des Gebäudes unterschritten wird. Dies bringt zusätzlichen Planungs- und Berechnungsaufwand mit sich.
• Heizung ohne fossile Brennstoffe: Eine Förderung setzt zudem voraus, dass die Heizung nicht mit fossilen Brennstoffen oder Biomasse betrieben wird. Stattdessen müssen alternative, oft teurere Heizsysteme wie Wärmepumpen oder andere erneuerbare Energiequellen verwendet werden.
Einzelfallentscheidung: Förderung ja oder nein?
Es lohnt sich, in jedem Fall genau zu prüfen, ob eine Förderung wirklich wirtschaftlich ist. Hier einige Punkte, die du bedenken solltest:
1. Kosten der Energieeffizienz-Maßnahmen: Der Bau eines Hauses nach EH 40 oder EH 55 Standard kann erheblich teurer sein als ein Haus, das lediglich den GEG-Anforderungen entspricht. Du solltest prüfen, ob die langfristigen Energieeinsparungen die Mehrkosten ausgleichen.
2. Höhe des Förderkredits: Die meisten Förderprogramme bieten lediglich zinsgünstige Kredite und keine direkten Zuschüsse. Zudem decken die Kredite nur einen Teil der Baukosten ab (z.B. maximal 100.000 €), während der Rest zu marktüblichen Zinsen finanziert werden muss.
3. Flexibilität und Planungsfreiheit: Ohne Förderung bist du bei der Planung deutlich flexibler. Du kannst bewährte, kostengünstigere Technologien und Materialien verwenden, ohne die strengen Vorgaben der KfW erfüllen zu müssen. Dies kann nicht nur die Baukosten senken, sondern auch den Bauprozess vereinfachen.
Beispielrechnung: Lohnt sich der Kredit?
Nehmen wir an, du planst den Bau eines Hauses mit Gesamtkosten von 500.000 €. Um eine Förderung für ein Effizienzhaus 40 zu erhalten, musst du etwa 40.000 € zusätzlich investieren, um den Standard zu erreichen. Der Förderkredit beträgt maximal 100.000 € zu einem Zins von 1 %. Für die restlichen 400.000 € nimmst du einen herkömmlichen Kredit zu 4 % auf.
Im Vergleich dazu könntest du ein Haus bauen, das lediglich die GEG-Anforderungen erfüllt, und die 40.000 € Zusatzkosten einsparen. Selbst wenn der Förderkredit zinsgünstig ist, können die langfristigen Einsparungen die zusätzlichen Investitionskosten oft nicht vollständig kompensieren. In diesem Fall wäre es günstiger, auf die Förderung zu verzichten und die Baukosten direkt zu senken.
Fazit: Förderung nicht immer der beste Weg
Natürlich bieten die Förderprogramme 2024 interessante Vorteile, besonders wenn du langfristig auf Energieeffizienz und niedrige Betriebskosten setzen möchtest. Doch in vielen Fällen ist es klüger, auf die Förderung zu verzichten und ein Haus zu bauen, das den Anforderungen des GEG entspricht. So sparst du dir die teuren Mehrinvestitionen und bleibst flexibler in der Planung.
Eine gute Bauberatung hilft dir, die Vor- und Nachteile in deinem speziellen Fall abzuwägen und die besten Entscheidungen für dein Bauprojekt zu treffen. Ob mit oder ohne Förderung – am Ende zählt, dass du dein Traumhaus zu den besten Konditionen baust.
